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Die Welt des Wolfs

Ich - 1



1

Ein Mensch sagt gern von sich:
Ich bin ich
und ist sich ganz gewiss,
dass er kein anderer ist.

Doch irrt er leicht, wenn er auch meint,
der zu sein, als der er gerade erscheint,
denn er lebt in ständigem Wandeln
durch sein Wachsen und sein Handeln.

Die Zeit ist eine gewaltige Macht,
die aus ihm einen anderen macht,
es verändern sich Körper, Geist und Seele,
aber auch die Welt bleibt nicht an einer Stelle.

Was das Kind meint, wenn es auf sich zeigt,
ist anders als das, was ein Greis als Ich erreicht,
der Mensch ist unterwegs zu sich,
und bleibt nicht der, dem er einst glich.

Will er sich an etwas binden,
um etwas Sicheres zu finden,
zerfließt das wie Sand in seinen Händen,
nichts bleibt für immer, alles muss enden.

Doch mit jedem Ende beginnt eine neue Handlung,
das ist das Prinzip von jeder Wandlung,
nichts geht verloren, alles bleibt erhalten,
das Leben ist ein unentwegtes Gestalten.

Dies gilt für der Gedanken Kommen und Gehen
und für des Fühlens Aufflammen und Verwehen,
die Dinge erscheinen heute noch gut,
und morgen sind sie schon kaputt.

2

Der Film des Lebens läuft immer weiter,
mal ist er tragisch, manchmal heiter,
wichtig ist nicht zu schlafen, sondern zu wachen
und  bei seiner Entwicklung mitzumachen:

Etwas kommt heran, etwas bleibt zurück,
vorwärts zu richten, gilt es, den Blick,
nur wer Teil hat an dem Fließen
kann das Leben ohne Reue genießen.

Wer sich als Ich ganz so versteht,
wie einen Wanderer, der vorwärts geht,
kann auch noch im Tod der Hüllen
lebendig sich erleben und fühlen.

Ein Mensch ist kein Rädchen in einem Getriebe,
er entsteht als Kind der Liebe,
die in seinem Leben sich regt
und ihn begleitet und bewegt.

Klammert sich das Ich an seine Habe,
sinkt es mit ihm in der Toten Grabe,
bleibt es dem Werden in sich treu,
wandelt es sich und wird frei.

Erkenne dich auf deinem alten Pfad,
der dich bis bis jetzt hierher geführt hat,
aber schaue auch auf dem Weg voraus,
wo dein neues Ich sich bildet aus.

Sei dir bewusst, als Mensch und Ich,
dass du ein Werk in Entwicklung bist,
niemals kannst du dir für immer gleichen,
stets musst du eine neue Version von dir erreichen.




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