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Die Welt des Wolfs


Zwei Seelen

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Zwei Seelen wohnen in einer Brust,
die eine sucht Liebe, die andere Lust,
statt dass sich jede auf ihre Hälfte besinnt,
streiten sie miteinander, welche von beiden gewinnt.

Die Lust sucht stets nach neuen Reizen,
sie will mit der Sinnlichkeit nicht geizen,
die Liebe will Wärme und Frieden
wie eine Sonne allen bieten.

Die Liebe versucht sich zu verströmen,
die Lust wünscht alles für sich zu nehmen,
die Liebe lebt aus höherem Sinn,
die Lust tendiert zum Erdhaften hin.

Des Menschen Brust leidet in ihrem Streit,
sie ist für beide offen und bereit,
und möchte, dass sie sich vereinen,
statt getrennt voneinander zu erscheinen.

Denn mangelt der Lust die Liebe,
wird ihr Tun zum nackten Triebe,
hat die Liebe nicht die Lust genossen,
bleibt sie in sich abgeschlossen.

Die Lust entzündet in der Liebe den tätigen Mut,
die Liebe wandelt der Lust Feuer in wärmende Glut,
in ihrer Umarmung verliert sich ihr einseitiges Streben
und es wird frei das menschliche Leben.

So ist es mit allen Gegensätzen,
erst wenn sie sich zusammen ergötzen,
finden ihre Teile zur Erfüllung und Freude
durch die Gaben von der anderen Seite.



Dieses Gedicht ist, zugegeben, etwas gewagt,
denn was darin steht, hat auch schon er gesagt:

Johann Wolfgang von Goethe:

Zwei Seelen wohnen, ach! in meiner Brust,
die eine will sich von der andern trennen:
Die eine hält in derber Liebeslust
sich an die Welt mit klammernden Organen;
die andre hebt gewaltsam sich vom Dust
zu den Gefilden hoher Ahnen.

Faust 1, Vers 1112 - 1117; Vor dem Tor.


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