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Die Welt des Wolfs

Pfingstfest


pfingsten

Heiliger Geist - nach: Bernini, Petersdom, Rom


1.

Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen,
doch wenige nur hatten die Botschaft vernommen,
der Geist sprach: Ihr könnt mich jetzt frei haben,
aber viele ließen ihn in sich begraben.

Zum Feiern des Unsichtbaren war jetzt keine Zeit,
die sichtbaren Dinge lagen bereit,
es galt in ihnen zu leben, in ihnen zu sterben,
statt das Reich des Himmels zu erwerben.

Wer wusste schon, was der Geist wollte
und was der Mensch damit anfangen sollte?
Mit dem, was die Welt war, kannte sich jeder aus,
sie bot Genuss, Vergnügen und jedem ein Haus.

Dass dieses nicht sehr lange währte,
vergänglich wären diese Werte,
sprachen Warner in den Wind,
die allgemein ignoriert worden sind.

So ist das Fest umsonst gekommen,
das Angebot wurde nicht angenommen,
keine Taube wurde empfangen von oben,
feurige Zungen konnten keine Himmel loben.

Es geht auch ohne, dachte des Verstandes Kraft,
der sich nährte mit seiner Wissenschaft,
was Maß und Gewicht hat das zählt,
mehr braucht es nicht in der berührbaren Welt.

Wenn leise das Herz sich rührte,
weil es noch etwas anderes spürte,
dann gab es Wein und andere Drogen,
und seine Stimme hat sich verzogen.

2.

Wer dennoch nüchtern bleiben will,
der halte an diesem Tag einfach einmal still,
um sich berühren zu lassen vom pfingstlichen Geist,
der ihm den Weg zu einer anderen Welt weist.

In jedem wartet dessen Wort,
um ihn zu führen an einen neuen Ort,
wo nicht nur der Tod wartet,
sonderrn wo das Leben startet.

Er wird erfahren, was es heißt,
wenn Tröster genannt wird dieser Geist,
in seinen Stunden in der Stille,
wird in ihm wach ein unbekannter Wille.

Dann zieht eine neue Freude in ihn ein,
er wird wie trunken ohne Wein,
wo vorher endete sein Verstand,
öffnet sich ihm ein neues Land.

In dieses andächtig einzutreten,
ob meditierend oder betend,
sich auf das Pfingstwort zu besinnen,
lässt das Leben neu beginnen.

In der Sinne äußerem Trubel
wird dann wach ein innerer Jubel
und mit erneuertem Sinn,
schaut der Mensch auf die Welt hin.

Er sieht nicht nur mehr ihre Fassaden,
begnügt sich nicht mit ihren Saaten,
sondern erkennt, was diese Welt
im Inneren bewegt und zusammen hält.

3.

Wenn dir als junger Mensch dies nicht gelingt,
wenn dir der Dinge Zauber ihr Lied noch singt,
lass dich älter werden, dann wird es leicht,
dass das Pfingstfest dich erreicht.

Bist du voran geschritten in der Zeit,
dann ist die Stunde schließlich soweit,
eine neue Erfahrung zu erfassen
und den Geist in dir wach werden zu lassen.

Denn im Alter kann es nicht schaden,
etwas Weisheit parat zu haben,
wenn das Unbekannte näher rückt
und der Mensch sein Ende erblickt.

In diesem Fall, doch auch in anderer Not,
tut der Pfingsttrost jedem gut,
denn er kommt nicht als flüchtiges Wort,
sondern vertreibt das Fürchten fort.